News | Interview mit Micha Somandin
Am 9. Juli 2022 100 Tage im Amt: Ein erstes Interview mit Micha Somandin.
Sie gefällt mir gut und tut mir gut. Ich hatte schon etwas Bammel vor dieser Verantwortung – und ich nehme sie auch deutlich wahr. Aber ich fühle mich dadurch nicht belastet, sondern erlebe viel Freude. Ich spüre die Unterstützung von meinem nahen Umfeld, besonders von Roland und der Belegschaft. Das freut mich sehr und gibt mir Kraft.
Ich merke, dass bei Entscheidungen Fakten zwar wesentlich, dass meine Intuition und mein Bauchgefühl aber ebenso wichtig sind. Oft ist die Sachlage ja vielschichtig, komplex und die zukünftige Entwicklung nicht voraussehbar. Damit ich mich entscheiden kann, ist die innere Stimme und die Erfahrung sehr hilfreich, das war mir nicht bewusst.
Zum Beispiel finanziell: Jede Entscheidung trägt positiv oder negativ zum Ergebnis bei. Wir sind 50 Leute und bei vielen ist noch eine Familie davon abhängig. Ich muss dieses Gespür entwickeln, was und wie viel drin liegt, welche Risiken wir eingehen dürfen und können.
Ich kann sehr gut abschalten. Hier ist das Vertrauen, das ich in Gott habe, wesentlich und wichtig. Positiv war in den letzten Wochen auch, dass wir genügend Arbeit hatten, das ist beruhigend und tut gut.
Mir liegt sehr am Herzen, dass wir alle am selben Strick ziehen. Oft laufen ja 95 Prozent gut und 5 Prozent laufen nicht gut. Leider bleiben wir oft bei diesen 5 Prozent hängen, ärgern uns darüber und suchen einen Schuldigen. Ich denke positiv, lösungsorientiert, schaue voraus und sehe das Ganze. Schliesslich wollen wir besser werden, Exzellenz anstreben und nicht nur Mittelmass. Dazu brauchen wir eine Kultur, in der wir direkt aufeinander zugehen, ehrlich und klar kommunizieren. Das ist nicht einfach, aber das können wir lernen. Wenn wir einander vertrauen, miteinander und nicht übereinander reden, bin ich überzeugt, dass wir sehr viele Situationen meistern können.
Weiter ist mir die richtige Auslastung wichtig. Sie so hinzubekommen, dass sie in einer guten Balance ist, ist eine Kunst. Hier haben wir Potenzial, wir können uns noch besser verkaufen. Wir haben ein breites Portfolio, solide Werte, engagieren uns sozial, das möchte ich mehr beleuchten, und dazu müssen wir neue Wege und Kanäle finden.
Wenn immer möglich gehe ich jeden Tag durch den Betrieb. Es interessiert mich, wie es den Einzelnen persönlich und wie es im Betrieb geht. Ich finde es spannend, wie gearbeitet wird und wie die Möbel und Türen entstehen. Auch die verschiedenen Materialien und der Werkstoff Holz mit seiner Vielfältigkeit faszinieren mich immer wieder.
Etwas speziell. Aber ich war ja schon länger in der Geschäftsleitung und habe diesen Betrieb mitgestalten dürfen. Wir können gut diskutieren, oft entscheiden wir gemeinsam. Wir pflegen eine Kultur des Miteinanders, und das wollen wir unbedingt so beibehalten.
Ja, das haben wir. Roland hat sein Herz mit mir geteilt und tut es noch. Sein Verhalten mir gegenüber empfinde ich als sehr wertschätzend. Er hat seinen Platz für mich geräumt, hat einen grossen Schritt zurück gemacht und muss jetzt seinen Platz wieder neu finden. Das stelle ich mir nicht ganz einfach vor.
Beim Fachkräftemangel. Gute Leute zu finden, ist schwierig. Ich bin dankbar, dass wir sehr gute Leute im Team haben und mir ist es wichtig, Sorge zu ihnen zu tragen und sie wertzuschätzen. Und dass wir einen guten Umgang pflegen miteinander, dass wir eine “aufgestellte” Atmosphäre haben, einen ehrlichen und offenen Umgang, damit wir einander vertrauen können.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Situation, das Weltgeschehen … Es gibt viele Gründe, sich Sorgen zu machen. Für mich gilt nach wie vor: Gott ist und bleibt unser Versorger. Ich kann mein Bestes geben und nicht mehr. Alles andere muss ich Gott überlassen. Das ist für mich eine Kunst: weise sein, wo nötig Vorkehrungen treffen, mutig sein, ohne zu viele Risiken einzugehen. Es gibt sehr viele Unsicherheiten – also ist auch hier wieder die Intuition wichtig, die innere Stimme.
Genau! Und dass wir uns von der Freude und der Leidenschaft für unseren Beruf leiten lassen. Wir haben einen so schönen, vielseitigen und kreativen Job. Wir haben ein starkes Team, sehr kompetente und gute Leute – das ist wirklich eine Freude. Und die will ich wahrnehmen und mich von ihr stärken lassen.